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Ein Himmelreich für ein Handy

THE FUTURE OF MOBILE
Der Durchbruch der Mobiltechnologie beginnt jetzt. So wie er bereits 2007 begann. Und 2006. 2005 sowieso. Das ‘jetzt geht’s aber los’ der mobilen Zukunft zieht sich also schon ein bisschen, weshalb es nicht ganz so schlimm ist, dass unser Rückblick auf die FUTURE OF MOBILE Konferenz in London auch ein paar Tage gebraucht hat. Beiden gemein: Am Ende sind sie da.



Und wie steht es um die Zukunft der mobilen Daten-, Internet-, Kommunikations-, Netzwerk-Nutzung?
Nicht gut, wenn man das Fehlen eines frei zugänglichen W-Lan Netzwerks am Konferenzort als Maßstab anlegt. Nicht gut, wenn man den während der Konferenz gereichten kommunikationsfeindlichen, weil mundwinkelverziehenden Kaffee als Gradmesser für Qualität bestimmt. Und auch nicht gut, wenn man der Bestandsaufnahme der mobilen Industrie einiger Vortragender glaubt. Zu technisch orientiert sind viele mobile Anwendungen, zu kapriziert auf eine kleine Zielgruppe von Geeks mit teuren Smartphones, die außer ihnen keiner benutzt. Zu viel geht einfach nicht, zu sehr bestimmt oft die Gewöhnung an Websites die Nutzerführung und Inhalte auf mobilen Endgeräten, als dass etwas eigenständiges und gutes mobiles enstehen könnte. Zu fragmentiert und schwierig zu erschließen ist der Markt der Plattformen und Endgeräte. Zu teuer schließlich die Nutzung, wenn man ein mobiles Gerät denn man wirklich mobil, also außerhab der Landesgrenzen, nutzt.

Besser aber, wenn man die Besetzung der Konferenz zur Meinungsbildung heranzieht. Mobilfunk-Provider waren da, Software-Plattform-Hersteller waren da, Anwendungsentwickler, Analysten, Werber, Blogger. Alle da, für einen thematischen 1-Tages-Rundumschlag. Besser, wenn man dem Streit zuhört, ob mobile Endgeräte nun kleine Computer werden oder als mobile Kommunikationsinstrumente immer besser werden. Immer besser ist dabei auf jeden Fall Konsens. Besser auch, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mobilen Endgeräte die persönlichsten Kommunikationsinstrumente sind, die wir nutzen; dass mit ihnen eine Verbreitung von Inhalten und Anwendungen gerade dort losgetreten wird, wo das klassische Internet aufgrund hoher Kosten für Geräte und/oder Verbindungen bislang stockt; oder dass mit mobilen Inhalten bereits heute mehr Geld verdient wird, als mit Inhalten im Internet (wobei die unsägliche Klingeltonindustrie hier ein gehöriges Wörtchen mitredet).

Und gut sieht sie schließlich aus, wenn man wie Tomi T Ahonen daran glaubt, dass Mobile das siebte Massenmedium ist, das sich vom Internet so stark unterscheidet wie das Fernsehen vom Radio. Heißt, es kann alles, was das Internet (und die vorherigen Massenmedien) auch kann. Aber noch mehr Dinge, die die anderen Medien nicht können. Gut sieht sie aus, wenn mobile Inhalte und Anwendungen spezifisch mobil werden, kein Abklatsch von Websites. Wenn sie Dinge tun, die das Internet auf dem ‘oh, jetzt hab ich ihn grade zu hause gelassen’-Rechner gar nicht kann. Wenn man also merkt, das schon ein bisschen da ist, aber viel von dem Zeug, das gute Mobilität ausmacht, erst noch erfunden werden will.

Hervorragend sieht die Zukunft mobiler Technologie schließlich dann aus, wenn man in Betracht zieht, dass man selber sitzen bleiben kann, weil alle wichtigen Dinge mobil sind und zu einem kommen. Dann muss man nicht mehr mit dem Auto zur Konferenz nach London fahren. Muss nicht mehr durch Belgien. Wo man von der Polizei auf Autobahntankstellen wie von einem Anti-Terror-Kommando gestoppt und für eine gemeingefährliche Gang von Entführern mitsamt Opfer gehalten wird, nur weil auf der Rücksitzbank mal einer eine Schlafmaske aufsetzt.

Alles auf Mobile. Nichts auf Belgien.